Jahreshauptversammlung 2020

„2019-Ein sehr trockenes Jahr – nicht nur ackerbaulich“ – ein Bericht zur Jahresmitgliederversammlung des MR Regnitz-Franken

Der Vorsitzende des Maschinen- und Betriebshilferinges Regnitz Franken e.V. Rudolf Groß und sein Team hatten in die Seebachtalhalle zur Jahresmitgliederversammlung geladen.
Gleich zur Begrüßung überraschten und ehrten Groß und Geschäftsführer Wagner ihre langjährige und nun in den Ruhestand zu verabschiedende Betriebshelferin Inge Hass mit der Vorführung eines BR-Filmes über ihren Einsatz beim Obstbau mit ihr. Für 20 Jahre Betriebshilfe (Hesselberg) wurde Sabine Lutz, und für 20 Jahre Mitarbeiterschaft in der Geschäftsstelle wurden Christian Schmidt und Ralf Wagner von Groß geehrt.

Geschäftsführer Ralf Wagner skizzierte die derzeitig schwere Lage der Landwirtschaft: 2019 sei nicht nur ackerbaulich – wenn auch nicht so einschneidend wie in 2018 – ein trockenes Jahr gewesen, indem jeder Halm zusammengekratzt werden musste.  Auch die Gesellschaft, die die Landwirtschaft für viele Missstände verantwortlich mache, würde Landwirten zu schaffen machen.

Trotzdem liefen wieder zahlreiche Aktionen im MR Regnitz-Franken: Von der Ansaat von Blühstreifen für die Insekten, die allerdings auch mit der Trockenheit kämpften, Skifahrt, Lehrfahrt nach Israel und ins Westjordanland, Busfahrt nach Karpfham, AgriTechnica-Fahrt und dem Infostand auf verschiedenen Festen und Ausstellungen. 

Inklusive der neuen Auszubildenden Julia Böttinger kümmern sich insgesamt acht Personen in der Geschäftsstelle um das breite Angebotsspektrum für die 2.294 Mitglieder (2018: 2258):  Von der Betriebshilfe und Maschinenvermittlung über den Antragsservice für den Agrardieselantrag, Mehrfachantrag Online, ZA-Vermittlung und- übertragung und sämtliche Berechnungen im Rahmen der DÜV, aber auch die Organisation von Dieselkontrakten, Analysen für Wirtschaftsdünger, Altreifensammlungen und Photovoltaikreinigungen.
Es sind insgesamt ca. 45 Dorf- und Betriebshelfer (innen) zu vermitteln, davon ca. 25 MR-Ersatzkräfte nebenberuflich und gut 20 hauptberuflich. Während die Einsatzstunden von 23.234 h in der sozialen Betriebshilfe leicht rückläufig waren, nahmen sie in der wirtschaftlichen Betriebshilfe auf 13.803h zu.
Der Verrechnungswert konnte sich von einem sehr niedrigen Wert 2018 wieder auf 5.348.335€ erholen. Auch die Anzahl der Belegposten 2019 erhöhte sich auf 14.180 (2018: 13.516).

Geschäftsstellenleiter Stephan Spitzer verlas den Kassenbericht mit dem endgültigen Abschluss 2018 und dem vorläufigen Jahresabschluss 2019 mit jeweils sehr erfreulichen Ergebnissen.

Der durch Kassenprüferin Petra Hofmann verlesene Prüfbericht wurde einstimmig angenommen.

Der vorsichtig angesetzte Haushaltsvoranschlag für 2020 wurde mit einem leichten Überschuss von der Versammlung ebenfalls einstimmig angenommen.

Statt einem klassischem Grußwort durften die geladenen Gäste aus der Politik zwei Fragen beantworten: „Wie sieht die Landwirtschaft im Jahr 2025 aus?“ und „Wie können Sie in ihrer Position Verbraucher dazu motivieren, nicht nur regional zu reden, sondern auch zu handeln?“

Robert Ort vom BBV wünscht sich fachlich fundierte Beschlüsse, z.B. bei der kürzlich verschärften Düngeverordnung. Problematisch sieht er, wie teure tierschutzgerechte Ställe gebaut werden können, wenn diese im Preis der Endprodukte nicht „mitbezahlt“ werden. Er hält die mehr als eine Million Verbraucher im Großraum für eine Chance für die Landwirtschaft. Sie könnten für die Regionalvermarktung gewonnen werden. Das derzeit diskutierte Projekt, indem Schüler eine Woche Landwirtschaft erleben sollen kann eventuell langfristig dazu beitragen.
Landtagsabgeordneter Walter Nussel meinte, dass Landwirtschaft wieder positiv nach vorne gestellt werden sollte, Bürokratie abgebaut und die gerade aktuelle Messstellenproblematik im Sinne aller geklärt werden müssen. Das wiederum sei nicht einfach.

Der Möhrendorfer Bürgermeister Thomas Fischer meint, „wir müssen den Leuten wieder beibringen Lebensmittel wertzuschätzen“. Er will Firmen miteinbinden und hält z.B. die Oberndorfer Spargelerzeugung und deren „Spargel-Erlebnistag“ für die perfekte Art auch städtischer Bevölkerung zu zeigen, wie in der Landwirtschaft produziert und gearbeitet wird. Er ist trotzdem kritisch und sagt „es wird schwierig und aufwändig zwischen Verbraucher und Landwirt zu vermitteln“.

Landrat Alexander Tritthart erkennt den Weg der Landwirtschaft im Raum Erlangen-Höchstadt im Ausbau der Direktvermarktung. Dies solle mit PR-Aktionen unterstützt werden. Die städtische Bevölkerung sei sehr weit weg von der Landwirtschaft, diese gelte es, dafür zu begeistern. „Jeder solle sich an die eigene Nase fassen“ und regionaler konsumieren.

Georg Schiffermüller, Vertreter der mittelfränkischen Maschinen- und Betriebshilfsringe, sieht den Maschinenring vor allem in der Unterstützung der Landwirtschaft durch Zuerwerbsmöglichkeiten durch Winterdienst, Grünflächenpflege, Baumpflege, Pflanzarbeiten und Landschaftspflege. Er sieht für Landwirte vor allem im persönlichen Gespräch die Möglichkeit, Verbraucher von der regionalen Landwirtschaft zu überzeugen.

Antwort-Ideen hatte MR-Deutschland-Referent Guido Krisam im Gepäck: „Systemrelevant“ sei der Landwirt nach wie vor. So lande er auf Platz 2 der besonders wichtigen Berufe bei Umfragen. Krisam zeigte auf, wie bedeutend es sei,  aus der medialen in sich selbst kreisenden „Landwirtschaftsblase“ herauszukommen.
Indem man auch in den modernen Medien direkt als authentischer Mensch und Landwirt aus seinem Beruf mit kleinen Posts und Blogs berichte und diese richtig verlinke, könne der Verbraucher die Informationen finden, die er suche: Ein Rezept, eine persönliche emotionale vor allem bebilderte „Geschichte“ aus der „realen und modernen“ Landwirtschaft. Wichtig in Zeiten, in denen nur 40% aller Stadtbewohner einen Landwirt einmal persönlich kennengelernt haben und vielleicht nur aus idealisierten Kinderbüchern kennen.

Vielleicht lässt uns die Corona-Krise erkennen, wie sehr wir alle von dem abhängen, was tatsächlich wächst und gedeiht und geliefert werden kann.

Kontakt

Ralf Wagner 

Tel.: 09135/73 66 69-11
E-Mail: ralf.wagner@mr-franken.de